4. Spieltag in der Bezirksliga

Diese 4. Runde war eine gewisse Besonderheit. Eine Wetterwarnung vor Wintertief „Elli“ mit landesweit einhergehendem starken Schneefall und Eisesglätte sah die Turnierleitung des ASVb veranlasst, in der Nacht zum Samstag den regulär angesetzten Termin am 10.01. abzusagen.

Mich selbst erreichte diese Nachricht allerdings erst am nächsten Morgen um 11 Uhr, sodass mein Dornröschenschlaf nach einem kurzen Schock schnell vergessen war. Stattdessen standen nun Mails, Kurznachrichten und Telefonate auf dem Plan. Tatsächlich war in Aachen und umzu eine überwiegend geschlossene Schneedecke zu verzeichnen, sodass die Gastmannschaft DJK Aufwärts Aachen III sich verständlicherweise bereits dazu entschieden hatte, auf eine Anreise zu verzichten.

Die kommende Woche stand im Zeichen der Ersatzterminfindung, eine Frist bis zum 13.03. war gesetzt. Mir war daran gelegen, das Spiel so schnell wie möglich nachzuholen, einfach um es aus dem Kopf zu bekommen. Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Team und nicht zuletzt auch mit der Mannschaftsführung von Aufwärts war dann schließlich der 31. Januar gefunden. Natürlich achteten wir darauf, eine möglichst schlagkräftige Truppe bilden zu können, allerdings fehlten uns zu allen zur Verfügungen stehenden Terminen Stammspieler. Diesmal hatten wir aber Glück im Unglück und eine weitere Rundmail der Turnierleitung offenbarte uns die Lösung: Ersatzleute aus anderen Mannschaften dürfen nur dann nicht eingesetzt werden, wenn der Wettkampfbeginn auf denselben Kalendertag fällt. Da unsere 2. ihren Ersatztermin bereits am 24.02. hatten, konnten wir uns hier also optimal „bedienen“ – und das taten wir.

Aufwärts hingegen hatte Schwierigkeiten bei der Aufstellung, was uns allerdings erst im Nachhinein bewusst wurde. Lediglich der im Ergebnisportal verzeichnete (und unter den Mannschaften beste) DWZ-Schnitt von 1973 war uns vor Augen und die Hoffnung, dass nicht nur deren beste Leute dabei sein würden. So lautete mein insgeheimer Plan: vorne blocken und abstauben, hinten punkten.


Dem entsprach Patricks erstes Ergebnis an Brett 3, mit schwarz führte er seinen Franzosen in ein wenn auch mit Zögern des Gegners angenommenes Remis.

Dietmar an Brett 6 erstritt sich einen gesunden Mehrbauern, kam aber mit Turm und verschiedenfarbigen Läufern nicht hinter die Linien und gab ebenfalls Remis.

Annika an Brett 4 war von Ihrer eigenen Partie begeistert – nicht nur sie, und nicht nur, weil sie diese gewonnen hat. Das Spiel war gezeichnet vom Kampf um die Figuren, von denen schließlich die schweren dem eher freistehenden gegnerischen König effektiv zusetzten.

Auch ich an Brett 5 durfte nach einer eher müßigen Eröffnung die Vorteile offener Turmlinien mit Unterstützung eines Läuferpaars gegenüber einem nicht rochierten König auskosten.

Hier zeichnete sich schon ab, dass alle meine Sorgen nur wenig gerechtfertigt waren. Im Überblick waren die ersten Bretter nur mit Nuancen wechselseitig im Vorteil, und weiter hinten wechselseitig etwas deutlicher. Somit standen die Prognosen für uns gut.

Dmitriy, einer unserer starken Ersatzleute an Brett 7, sicherte uns dann mit seinem Sieg bereits das Mannschaftsremis. Mit schwarz fand er das richtige Rezept, die Bauernstruktur des Gegners auf ganzer Breite zu schwächen, den lang rochierten König zu entpacken und dabei den ein oder anderen Bauern mitzunehmen, ohne seinen eigenen König in Gefahr zu bringen.

Währenddessen war Ingo, unsere andere Geheimwaffe an Brett 8, im Hintertreffen. Einen Turm weniger, dafür einen Läufer (als Paar) mehr, musste er seine Leichtfiguren zunächst ausreichend aktivieren. Inzwischen war auch noch die Zeitnotphase eingetreten, auf beiden Seiten waren bei jeweils ca. 5 Minuten noch um die 10 oder mehr Züge zu machen. Während der Gegner zwar von einer Fesselung beeinträchtigt war, hatte er zunächst die augenscheinlich bessere Initiative inklusive Mattdrohungen. Ingo aber zeigte Nerven aus Stahl! Nach einem Damentausch begannen seine Leichtfiguren mit voller Kraft zu wirken. Zunächst eroberte er sich die Qualität zurück, während er die 40 Züge überbrückte, und konnte schließlich vollständig das Blatt wenden und die Partie für sich entscheiden. Das wars!

Trotzdem wurde vorne noch herzhaft gekämpft. Tim war mit einem Bauern in Führung bei einem Endspiel zunächst noch mit beiden Türmen und beiden Läufern. Die wurden langsam abgetauscht und er musste zwischenzeitlich auch aufpassen auf Mattdrohungen. Allerdings stand die Zeit hier deutlich auf seiner Seite. Während auf der anderen Uhr vor, während und auch später nach der Zeitkontrolle immer nur wenige Minuten standen, konnte Tim mit einem ausreichenden Polster gemütlich seine Pläne entwickeln. Und das mit Erfolg! Sein dann freier Mehrbauer wandelte sich schließlich zur Dame, die der Gegner zwar schlagen, aber dafür seinen letzten Turm opfern musste.

Währenddessen war es bei Manfred quasi umgekehrt. In der Eröffnung zwar zuversichtlich, verlor er im Verlauf seinen isolierten Damenbauern und kämpfte am Ende mit Springer und Turm gegen Läufer und Turm um ein Unentschieden. Zeitlich war das beiderseits nicht ganz so angespannt. So hatte der Gegner Gelegenheit, seine Pläne anzupassen, um dem Mehrbauern einen Weg auf die Grundlinie zu bahnen.


Manfreds Laune war deswegen aber nicht spürbar schlecht. Wir alle freuen uns über dieses großartige Ergebnis, haben wir uns damit doch etwas weiter vom Tabellenende abgesetzt.